Früher dachte ich, Journaling sei nichts für mich. Heute weiß ich: Das Schreiben ist eines der besten Selbsthilfetools und kann sogar eine therapeutische Wirkung haben. Wichtig ist dabei nur, dass du wirklich dein eigenes Ding daraus machst und über die Themen schreibst, die das Potential haben DEIN Leben zu verändern.
Journaling hat mir erst bei der Trauerverarbeitung geholfen, dann um als Pflegende Angehörige psychisch stabil zu bleiben, sowie später bei der Traumaverarbeitung und auch beim Umgang mit meiner narzisstischen Mutter. Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn ich mir dieses Tool nicht ganz zu eigen gemacht hätte und meine eigenen Journals und Schreibroutinen entwickelt hätte. Nur so konnte ich meine Einstellung zum Journaling verändern – von „Das ist doch nur Zeitverschwendung“ zu „Es verändert mein Leben und trägt mich.“ ✨
So habe ich früher übers Journaling gedacht
Hätte man mich vor 11 Jahren gefragt, welche Meinung ich zum Thema Journaling habe, wäre meine Antwort noch ganz anders ausgefallen als heute. Ich hätte vermutlich gesagt, das ist nichts für mich. Totale Zeitverschwendung!
Der Sinn dahinter erschloss sich mir einfach noch nicht.
- Warum sollte ich belanglose Fragen beantworten? Ich hatte doch echte Probleme und so viele Schreibimpulse die mir begegneten waren einfach viel zu oberflächlich.
- Warum war in all den vorgefertigten Journals immer so wenig Platz? Das setzte mich unter Druck und führte nicht dazu, dass ich ins Schreiben kam.
So machte das Ganze einfach keinen Spaß und bewirkte auch nichts.
Deshalb habe ich ab 2016 begonnen meine Meinung übers Journaling zu ändern
Journaling war so lange nichts für mich, bis ich mir dieses Tool ganz zu eigen machte, und 2016 begann Briefe an meinen ein Jahr zuvor verstorbenen Vater zu schreiben.
Langsam begann sich meine Meinung zum Thema Journaling zu ändern.
Briefe an einen Verstorbenen zu schreiben fühlt sich zwar erst einmal etwas verrückt an, aber ich begann auch schnell die langfristigen positiven Folgen des Ganzen zu erahnen.
Schreiben über Gefühle
Nach den Briefen an meinen Vater begann ich angeregt durch das Buch „Das Leben meint es gut mit dir“ von der Psychologin Irmtraud Tarr Krüger meine echten Gefühle noch ungefilterter aufs Papier zu bringen. Richtig ins Spüren zu kommen, etwas das mir lange schwergefallen war.
Der Schreibimpuls lautete wie folgt:
„Wählen Sie einen stillen Ort und schreiben Sie einfach über das Gefühl oder Problem, das Sie gegenwärtig plagt. Vielleicht stoßen Sie dabei an alte Erinnerungen. Schreiben Sie sie nieder, und versuchen Sie, diese vergangenen Ereignisse mit der Gegenwart zu verbinden. Vermeiden Sie reine Aufzählungen oder Aneinanaderreihungen von Fakten. Versuchen Sie die Fakten mit Ihren Gefühlen zu verknüpfen. So erreichen Sie nämlich zweierlei: Sie lernen, Ihre Gefühle aufzutauen und zu verstehen. Beides ist gleichermaßen wichtig, weil es nicht nur um gefühlsentladung, sondern auch um Einsicht geht.“
(Irmtraud Tarr Krüger, S. 117-118)
Irmtrauds Buch hatte ich ca. ein Jahr bevor ich Pflegende Angehörige wurde entdeckt, es brachte mich glücklicherweise dazu im Laufe der Pflege meines Opas gerade noch rechtzeitig auch zu Stift und Papier zu greifen.
Das Schreiben holte mich aus einer depressiven Phase, in die ich irgendwann gerutscht war, weil mein Opa einfach so vieles ablehnte und ich mich so hilflos und allein dabei fühlte.
Sein Leben könnte doch so viel einfacher sein, wenn er meine Hilfe nur annehmen könnte und meine Mutter sowie meine Tante ihm nicht immer wieder einreden würden, dass er ja immer noch selbst entscheiden könne und meine Vorschläge nicht annehmen müsse. Die hatten leicht reden, und ich war hier allein mit Opa und musste zusehen, wie es für ihn nur bergab ging.
Ohne das Schreiben wäre ich definitiv in eine echte Depression abgerutscht.
Die Entdeckung tiefergehender Schreibimpulse, die wirklich Veränderung bewirken
Nachdem ich das Schreiben über Gefühle für mich entdeckt hatte, stieß ich auf das Buch „Mindcleanse“ von Julia Bleser*. Dieses zeigte mir, dass ich mich beim Journaling doch mit tiefergehenderen Schreibimpulsen beschäftigen konnte. Ich fand hier Impulse, die sich ganz und gar nicht mehr nach Zeitverschwendung anfühlten und bekam langsam das Gefühl, mein Leben durch das Schreiben ein ganzes Stück selbst in die Hand nehmen zu können.

Eigenen Schreibimpulsen folgen
Julia Blesers Buch inspirierte mich, nach und nach zu eigenen Schreibimpulsen.
Ich begann mir intuitiv die für mich wirklich wichtigen Fragen zu stellen.
Das Schreiben hatte eine therapeutische Wirkung auf mich, das spürte ich und so begann ich zu recherchieren und fand nach langer Suche einen ersten Einführungskurs zum Thema Schreibtherapie.
In diesem Schreibtherapie-Kurs schrieb ich vier Wochen lang jeden Sonntag mit anderen Frauen. Ich bekam Schreibimpulse, aus denen ich mir die für mich und mein Leben passendsten raussuchen sollte. So wurde meine Intuition noch weiter gestärkt und wie beim Yoga begann ich nach und nach das zu tun, was sich richtig anfühlte und mir zu erlauben, mich von vorgegebenen Schreibimpulsen zu lösen, mir meine ganz eigenen Fragen zu stellen und diese ganz für mich zu beantworten.
Perfektion überwinden
Was ich in meinem ersten Schreibtherapiekurs auch noch mal vertiefte, war das Loslassen meines Perfektionismus.
Hauptsache schreiben, wie ist egal.
Solange der Perfektionismus dir im Wege steht, wird das Journaling nicht seine volle Wirkung entfalten können, denn deine Gedanken werden so nicht ungefiltert auf dem Papier landen können. Meine ganz persönlichen Journalingtipps findest du hier.
Die heilsame Kraft des Journalings spüren
Die heilsame Wirkung des Schreibens hatte ich bereits früh gespürt, schon nach den ersten Briefen an meinen verstorbenen Vater merkte ich, da tut sich etwas in mir.
Und ich wusste, dass es mich während der Pflege meines Opas davor bewahrt hatte in eine Depression abzurutschen.
Noch viel tiefer spürte ich diese Wirkung aber als ich 2021 begann über ein Kindheitstrauma zu schreiben.
Es waren kurze, kraftvolle Texte, in denen ich meiner Wut über das, was mir passiert war, endlich Raum geben konnte.
Ich verband das Schreiben zu dieser Zeit stark mit dem Laufen. Ließ die Texte während meiner Spaziergänge erst in meinem Kopf entstehen, während ich Lieder von früher hörte, und schrieb sie erst später in sehr komprimierte Form nieder.
Das zeigte Wirkung: Meine Wut verwandelte sich mit jedem Text mehr und mehr in eine nie dagewesene Kraft und all die alte Schwere fiel langsam von mir ab.
Egal was mir die Ärzte in Deutschland gesagt hatten, Therapie durch Schreiben war definitiv möglich.

Heute weiß ich: Journaling ist eines der besten Selbsthilfetools & kann auch eine therapeutische Wirkung haben
Meine Sichtweise aufs Journaling hat sich mit den Jahren stark gewandelt. Mittlerweile habe ich ja sogar ein Journaling-Business. 😍 Denn heute weiß ich, Journaling ist keine Zeitverschwendung. Das Schreiben ist ein großartiges Selbthilfetool, hilft bei der Persönlichkeits- und Resilienzentwicklung und unterstützt uns in herausfordernden Zeiten.
Dafür darf man sich allerdings nicht mit zu banalen Journaling-Prompts zufrieden geben, sondern muss nach denen Suchen, die wirklich Veränderungspotential haben.
Viele Journalingfans nutzen noch nicht das volle Potential des Journalings, da sie sich viel zu häufig von oberflächlichen Fragestellungen ablenken lassen und auch noch nicht gelernt haben, sich die wirklich wichtigen Fragen zu stellen. Fragen, die sie nur in sich selbst finden und nicht in vorgefertigten Journals.
Willst du das Journaling auch zu deinem ganz persönlichen Selbsthilfetool machen?
Dann hüpf jetzt in meine Newsletterliste, um meinen nächsten Einführungsworkshop nicht zu verpassen, dieser wird voraussichtlich im Juni 2026 wieder online stattfinden.