Suchst du nach einer Möglichkeit, um in schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben? Dann schreib! In diesem Beitrag verrate ich dir, an vier Beispielen aus meinem Leben, wie es mir gelungen ist, auch in schwierigen Zeiten die Zuversicht durch mein Journaling zur Selbsthilfe nicht zu verlieren bzw. sie wiederzugewinnen.
Dieser Blogartikel ist Teil der Blogparade „Zuversicht in schwierigen Zeiten. Was mir hilft, wenn sie ins Wanken gerät“ von Pia Hübinger.
Was ist Journaling zur Selbsthilfe?
Beim Journaling zur Selbsthilfe geht es nicht darum, vorgegebene Fragen zu beantworten, stattdessen stellst du dir deine ganz eigenen und findest so einen Weg, dir Schritt für Schritt selbst zu helfen. Das klingt noch zu kompliziert? Dann helfe ich dir in meinen Workshops und Schreibgruppen gerne dabei, herauszufinden, welches die wirklich wichtigen Fragen für dich sind und wie du eine zu dir passende Schreibroutine findest, um trotz Alltag regelmäßig zu schreiben.
So hat mir Journaling zur Selbsthilfe bereits geholfen zuversichtlich zu bleiben
Mein Leben war und ist kein Ponyhof, trotzdem habe ich es geschafft, trotz vieler Hürden weiterzumachen und die Zuversicht nicht zu verlieren bzw. sie zumindest irgendwann wieder zurück zu gewinnen. Mein liebstes und zuverlässigstes Selbsthilfetool ist dabei das Journaling.
Ich liebe es, mir maßgeschneiderte Journals zusammenzustellen, die dann zu meinen Lebens- oder Lebensabschnittsbegleitern werden.
Viele meiner über 30 Journals haben mich durch schwierige Zeiten getragen.

Nach dem Tod meines Vaters durchs Journaling Zuversicht zurückgewinnen
Als ich die Nachricht bekam, dass mein Vater ums Leben gekommen war, brach für mich die Welt zusammen. Ich war erst 28, wie sollte es jetzt weitergehen?
Wie kann es weitergehen, wenn die Person, die immer da war und mit der man noch so viel gemeinsam erleben und von ihr lernen wollte, plötzlich nicht mehr da ist?
Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass mein Papa nie so ganz weg war und immer über mich wachte.
Ein Jahr nach seinem Tod kam ich auf die etwas verrückte Idee, ihm einen Brief zu schreiben und schnappte mir dafür ein Journal, das bisher für alles andere einfach zu schön gewesen war.

Durch dieses Journal und meine Briefe konnte ich meine Trauer nach und nach verarbeiten und besser verstehen lernen.
Bis heute ist mein Papa-Journal, die Verbindung zu ihm – eine Verbindung, die bleibt.
Zuversichtlich bleiben als Pflegende Angehörige meines Opas
Ein paar Jahre nach dem Tod meines Vaters brauchte mein Opa immer mehr Pflege, so wurde ich zu seiner pflegenden Angehörigen.
Das Problem, die ganze Verantwortung lastete auf mir.
Plötzlich war ich ganz allein für das Wohlergehen und die Gesundheit eines anderen Erwachsenen zuständig.
Und ich drohte daran zu zerbrechen, nach einiger Zeit ging gar nichts mehr und ich weinte eine Woche lang durch.
Alle Hilfeangebote, die ich meinem Opa vorschlug lehnte er ab, und so lastete alle Verantwortung weiterhin auf mir.
So konnte es nicht weitergehen, ich musste mich trotz der knapp bemessenen Zeit auch wieder mehr um mich und meine Bedürfnisse kümmern, sonst würde ich in eine waschechte Depression abrutschen.
Ich erinnerte mich an ein Buch, das ich vor einigen Jahren auf dem Flohmarkt gefunden hatte „Das Leben meint es gut mit dir. Anregungen zur Lebenslust“*.
In diesem Buch schlägt die Autorin und Psychologin vor, regelmäßig über die eigenen Gefühle zu schreiben.
Das wollte ich ausprobieren und fragte mich von nun an täglich am Abend, kurz vor dem Zubettgehen, wie geht es mir wirklich? Und was denke ich darüber?
Diese 5 Minuten vor dem Zubettgehen halfen mir dabei, wieder freundlicher mit mir selbst umzugehen und zu erkennen, meine Gefühle ergeben oft Sinn und auch anderen würde es in meiner Situation ähnlich ergehen.
Ich schrieb über meine Gefühle und darüber, dass es okay und ganz normal war, dass ich so fühlte, darüber dass ich mein Bestes gab und dass ich auch an mich denken musste.
Ich fühle mich …
… und das ist okay.
… und das ist verständlich, weil …
Zusätzlich schrieb ich über Grenzen, die ich setzen wollte und lernte durch das Schreiben für mich selbst da zu sein, wie eine gute Freundin.
Falls du ein Familienmitglied mit Demenz hast, solltest du meinen Impulsvortrag zum Thema „Wie unverschickte Briefe an Angehörige mit Demenz pflegende Angehörige stärken“ am 20.9.2026 nicht verpassen.
Narzissmus entlarven, Kontaktabbruch vorbereiten, verarbeiten & dabei die Zuversicht nicht verlieren
So alleine, wie ich mit der Pflege meines Opas war, hätte ich nicht sein müssen.
Und lange verstand ich nicht, warum meine Mutter mich bei der Pflege ihres Vaters so gar nicht unterstützt hatte.
Ja, sie hatte Gründe, ihren Vater nicht unterstützen zu wollen.
Aber wie konnte sie ihre eigene Tochter mit alldem so alleine lassen, und dabei zusehen, wie ich fast zerbrach?
2020 begann ich deshalb, ein eigenes A4-Journal zu führen, um die Beziehung zu meiner Mutter zu reflektieren.
Erst einmal fragte ich mich, was kann ich selbst tun, um unsere Beziehung zu verbessern?
Was wünsche ich mir? Und kann ich das überhaupt bekommen, oder müsste sich meine Mutter dafür komplett verändern? Ist es also Wunschdenken?

Zu dieser Zeit sprach ich zudem regelmäßig mit einer Gestalttherapeutin und stieß auf das Buch „Narzissenkinder“*
Ich wollte so sehr, dass sich die Beziehung zu meiner Mutter verbesserte.
Nach einem einschneidenden Erlebnis an meinem Geburtstag im Jahre 2021, musste ich mir aber eingestehen, es konnte so nicht weitergehen, und ich brauchte zumindest für einige Zeit eine Auszeit von ihr, um zu heilen.
Ich konnte den Kontakt aber auch nicht von heut auf morgen abbrechen, denn meine Mutter hatte in all den Jahren dafür gesorgt, dass ich möglichst abhängig von ihr war.
Ich musste erst noch einiges regeln und einige Informationen von ihr bekommen.
Um in dieser Zeit einen klaren Kopf zu behalten und bei all dem Gaslighting nicht durchzudrehen, begann ich mir nach unseren Telefonaten in einem extra dafür vorgesehenen Journal Gesprächsnotizen zu machen.
Ich schrieb mir ganz genau auf, was sie gesagt hatte.
Diese Notizen halfen mir dabei, mich weniger von ihr in die Irre führen zu lassen und sie entlarvten das ein oder andere Gaslighting.
An meinem Geburtstag 2022, genau ein Jahr später, machte ich mir selbst ein ganz besonders Geburtstagsgeschenk und brach den Kontakt zu meiner Mutter ab, es war der erste Geburtstag ohne sie.
Trotz chronischer Erkrankungen zuversichtlich bleiben
Ich weiß, wie es ist, mit chronischen Erkrankungen zu leben und habe mehr als einmal gehört, dass ich mir meine Träume einfach abschminken solle.
Aber ich bin ein Dickkopf, und wenn man die Träume (noch) nicht leben kann, dann kann man sie zumindest auf dem Papier zum Leben erwecken, also habe ich all die Träume, die ich mir abschminken sollte, auf dem Papier festgehalten.
Ich gebe zu, es sind mittlerweile ein paar zu viele, für ein einziges Leben, aber das beruhigt mich auch irgendwie, denn ich weiß, einige davon werde ich nach und nach leben können.
Alles begann mit meinem Glücktagebuch.

Später kam ein Journal für all meine Demenzprojektideen hinzu.

Als ich meine chronischen Augenprobleme nicht in den Griff bekam, half mir mein Augenjournal dabei, herauszufinden, welche Augentropfen wirklich halfen.

Mein Hormontagebuch unterstützte mich dabei, meine Hormone trotz PMOS wieder in den Griff zu bekommen.

Und mit meinem Kaktusjournal habe ich aus meinem Leben Schritt für Schritt ein leben gemacht, das nicht mehr nur pickst.

Seit meiner Weiterbildung zur psychosozialen Beraterin mit dem Schwerpunkt Krisenmanagement und Resilienz arbeite ich außerdem an meinem ganz persönlichen Krisenjournal.
Ich weiß noch nicht so genau, wo die Reise hingeht, mal schauen.
Wer weiß, vielleicht gibt es dieses Journal irgendwann mal in gedruckter Form oder aber einen Kurs zu dem Thema.

Dank meiner Journals habe ich vieles durchdacht.
Und herausgefunden, wie ich trotz meiner chronischen Erkrankungen ein erfülltes Leben leben kann, angepasst an mein Tempo und meine Bedürfnisse.
Das hört sich für dich spannend an? Dann freu dich schon mal auf die Woche der seelischen Gesundheit im Oktober 2026 und meinen Beitrag dazu. Näheres erfährst du demnächst in meinem Newsletter.